Was Wärmebilder über elektrische Anlagen verraten
18. Oktober 2026Eine elektrische Verbindung kann von außen völlig unauffällig aussehen und trotzdem ungewöhnlich warm werden. Mit einer Wärmebildkamera lassen sich solche Temperaturunterschiede erkennen, bevor sie mit bloßem Auge sichtbar sind. Die Thermografie ist deshalb ein nützliches Werkzeug bei der Prüfung und Wartung elektrischer Anlagen.
Die Kamera misst die von Oberflächen abgegebene Infrarotstrahlung und stellt die Temperaturverteilung als farbiges Bild dar. Warme Bereiche erscheinen je nach Farbskala beispielsweise gelb, orange oder rot. Entscheidend ist dabei nicht die Farbe selbst, sondern die Temperatur im Verhältnis zu vergleichbaren Bauteilen und zur jeweiligen Belastung.
Besonders interessant sind Klemmstellen, Schaltgeräte und Anschlüsse in elektrischen Verteilungen. Ist ein Kontakt beschädigt, locker oder korrodiert, kann sein Übergangswiderstand steigen. Fließt Strom, entsteht an dieser Stelle Wärme. Ein auffälliger Temperaturunterschied kann deshalb auf einen Fehler hindeuten.
Allerdings zeigt ein Wärmebild nicht automatisch die Ursache. Auch eine regulär stärker belastete Leitung kann wärmer sein als eine andere. Umgekehrt bleiben manche Fehler unentdeckt, wenn die Anlage zum Zeitpunkt der Aufnahme nur wenig belastet ist. Die Ergebnisse müssen deshalb fachlich bewertet und bei Bedarf durch weitere Prüfungen ergänzt werden.
Auch die Umgebung beeinflusst die Messung. Reflexionen glänzender Metalloberflächen, unterschiedliche Materialien und die Entfernung zur Messstelle können das Ergebnis verfälschen. Eine Wärmebildkamera ersetzt daher weder die vorgeschriebenen Prüfungen noch die elektrische Messung.
Richtig eingesetzt, macht die Thermografie etwas sichtbar, das sonst verborgen bleibt: die Temperaturverteilung einer Anlage im Betrieb. Sie hilft dabei, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und gezielt zu untersuchen, bevor aus einer ungewöhnlich warmen Stelle ein ernsthafter Schaden wird.
